Zugfahren in Deutschland

Die Eisenbahn (umgangssprachlich: Bahn) ist das zweitwichtigste Verkehrsmittel in Deutschland. Im folgenden Artikel haben wir daher reichlich Fakten über die Bahn für euch zusammen getragen und beleuchten wie nachhaltig die Eisenbahn ist – sowohl im Personen-, als auch Güterverkehr. (Quelle 1)

Das Schienennetz in Deutschland

Mit einer Gesamtlänge von 38.400 km verzeichnet das Schienennetz im Jahr 2020 in Deutschland einen deutlichen Rückgang an Länge und das obwohl der Personen- und Güterverkehr seitdem deutlich zugenommen hat. 1994 gab es noch deutlich mehr Schienennetz mit einer Strecke von 44.600 km.

2021 wurden gerade einmal 124€ pro Kopf in Deutschland für die Schieneninfrastruktur investiert. Im Vergleich dazu wurden in der Schweiz mit 413€ pro Kopf sogar mehr als dreimal soviel investiert. Bei den Investitionen handelt es sich um öffentliche Mittel die in die Verkehrsinfrastruktur der Schiene fließen, wie bspw. den Aus- und Neubau der Infrastruktur. (Quelle 2)

Elektrifizierung des Schienennetzes

Es ist eine umweltschonende Art, wenn das Schienennetz elektrifiziert wird und Dieselloks komplett abgelöst werden. Von 2010 bis 2021 wurden in Deutschland gerade einmal 2% mehr des Schienennetzes elektrifiziert. Das entspricht einer Steigerung von ca. 65 km Elektrifizierung pro Jahr. Im Vergleich dazu wurden in der Schweiz schon alle Schienennetze elektrifiziert (Stand 2021).

Bis 2030 hat Deutschland das Ziel 75% des Netzes zu elektrifizieren. Das würde bedeuten, dass in den nächsten Jahren ein Ausbau von ca. 500 km Strecke pro Jahr elektrifiziert werden müsste. (Quelle 2)

Emission der Bahn

In 2021 lagen die Treibhausgase (CO2, CH4, N20) der Bahn laut Umweltbundesamt bei 50 g/Pkm (Gramm pro Personenkilometer). Beim PKW liegen diese schon beim dreifachen Wert von 152 g/Pkm und beim Flugzeug sogar bei 284 g/Pkm. (Quelle 3)

Personenverkehr in Deutschland

Unter Personenverkehr versteht man die Beförderung von Menschen zwischen verschiedenen Orten. Es verbindet Menschen und schafft eine wichtige Voraussetzung für Arbeit, Bildung, Einkauf, Freizeit und mehr.

Man unterscheidet zwischen Individualverkehr (z. B. Auto), Öffentlichen Verkehr (z. B. Eisenbahn), ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) und Öffentlichen Personenfernverkehr (ab einer mittleren Reiseweite über 50 km, z. B. Fernzüge).

Im Jahr 2019 wurden mehr als 100 Mrd. Pkm (Personenkilometer) nur auf der Schiene zurück gelegt. Die Zahl sank 2020 pandemiebedingt auf 57,5 Mrd. Pkm. Generell gab es aber in den letzten drei Jahrhunderten einen kontinuierlichen Anstieg des Personenverkehrs. (Quelle 2)

Das 9€ Ticket und die zukünftige Alternative

Als Energie-Entlastungspaket wurde im Sommer 2022 das 9€ Ticket eingeführt. Einerseits sollte es zur finanziellen Entlastung durch die gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel beitragen, andererseits sollte es einen Anreiz zum Umstieg auf die klimafreundlicheren Öffentlichen Verkehrsmittel schaffen.

Vorteile des 9 € Tickets waren geringe Kosten mit 9€ pro Monat, es ist war deutschlandweit in Bussen und Bahnen, sowie im Nah- und Regionalverkehr gültig und Kinder unter 6 Jahre fuhren kostenlos mit.

Nachteile des Tickets dagegen waren, dass das Angebot für Juni, Juli und August 2022 begrenzt war und beispielsweise für Hunde und Fahrräder Extrakosten anfielen. Außerdem führte der günstige Preis, sowie die Ferien- und Urlaubszeit zu einem erhöhten Personenaufkommen.

Eine direkte Alternative für das 9 € Ticket gab es nicht. Als Nachfolger kommt nun das 49€ Ticket zum 01. Mai 2023 statt wie geplant zum Jahresanfang. Das Ticket gibt es als Abo zu erwerben und soll monatlich jederzeit kündbar sein. Es gilt bundesweit für Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr. Unterschiede gibt es nach Region dann bei Mitnahme von Fahrrädern, Hunden und Kindern.

Das 49€ Ticket ist für viele, v. a. für Menschen aus den Großstädten und Umland, eine günstigere Variante zur aktuellen Abo-Monatskarte. Zum Beispiel zahlt man in Paderborn 55 € für ein Abo, als Pendler zwischen Lüneburg und Hamburg fallen Kosten von 187 € im Monat an.

Problematisch bleibt dennoch, dass sich dieses Ticket nicht jeder leisten kann, es nicht flächendeckend die Mitnahme von Kindern ermöglicht, es ländlich zu wenig Verbindungen gibt und es zu wenig Autofahrer zur Bahnfahrt mobilisieren wird. In einigen Bundesländern, wie Bremen oder dem Saarland, wird daher derzeit zusätzlich darüber beraten einen Sozialtarif für Geringverdienende einzuführen. 

Güterverkehr auf den Schienen Deutschlands

Der Güterverkehr umfasst den Transport von Gütern aller Art zwischen verschiedenen Orten auf Straßen, Schienen, dem Wasser, in der Luft oder in Rohrfernleitungen (in denen z.B. Rohöl transportiert wird). Güterverkehr ist eine wichtige Voraussetzung für die Wirtschaft. Mit der fortschreitenden Globalisierung verlängern sich die Transportwege und das Verkehrsaufkommen steigt. Der Transport von Gütern auf der Schiene schafft dabei eine wichtige und nachhaltige Variante zu v. a. LKWs.

3,1 Milliarden Tonnen Güter werden immer noch inländisch über LKWs transportiert, 357,6 Millionen Tonnen Güter mit der Eisenbahn und 195,1 Millionen Tonnen Güter mit der Binnenschifffahrt. Rohrfernleitungen und der Luftverkehr spielen im Güterverkehr eine untergeordnete Rolle. (Quelle 1)

Der Güterverkehr bringt einige Vorteile mit sich, er ist umweltschonend und hat somit die niedrigsten Emissionen im Verkehr. Der Transport ist außerdem sehr sicher, zuverlässiger, weniger störanfällig und der Flächenverbrauch mit Schienen ist geringer als das Fernstraßennetz.

Nachteile beim Güterverkehr auf den Schienen sind etwas höhere Transportkosten, eine Lieferung bis zum Endabnehmer ist nur in Ausnahmefällen möglich und Schallschutzkorridore werden wegen Lärmbelästigung gebraucht. 

Um den Güterverkehr zukünftig umwelt- und klimaschonender zu gestalten hat das Umweltbundesamt acht Bausteine für ambitionierten Klimaschutz im Verkehr zusammengefasst. Wie beispielsweise folgende:

Baustein 2: Effizienz und Elektrifizierung für schwere Nutzfahrzeuge: Die Verlagerung von Straßengütertransporten auf klimaschonendere Verkehrsträger wie Bahn und Binnenschiff ist eine wichtige Klimaschutzmaßnahme.

Baustein 6: Die Weichen stellen: Die Bundesregierung hat das Ziel, bis 2030 den Marktanteil des Schienengüterverkehrs auf 25 % (von heute 19 %) zu erhöhen. Das kann nur gelingen, wenn deutlich mehr Mittel in den Ausbau der Schieneninfrastruktur investiert werden.

Außerdem wäre im Kombinierten Güterverkehr die Bereitstellung zusätzlicher Terminals, die Weiterentwicklung der Verladetechnik und eine verbesserte Logistik zur flächendeckenden Erschließung erforderlich. (Quelle 3)

Mit welchen Fahrzeug kommst du am liebsten von A nach B? Kannst du dir vorstellen in Zukunft nur noch per Zug zu verreisen? Schreib uns gern ein Kommentar. Wir freuen uns auf den Austausch mit dir.

Quellenangaben

Stand Oktober 2022 (Aktualisierung 49€-Ticket – Januar 2023) 

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